Bienenlexikon

Liebe Imkerinnen und Imker, liebe informationssuchende Verbraucher, liebe wissbegierige Zeitgenossen,

Hier wird der Versuch unternommen, “imkerliche” Fachbegriffe rund um die Biene zu erklären und Kurzbiografien berühmter Imker, Wissenschaftler und Forscher auf dem Gebiet der Bienenzucht zu veröffentlichen.
Uns ist sehr wohl bewusst, dass dies nicht ganz leicht ist, denn einerseits sollen die Beiträge nicht zu umfangreich ausfallen, andererseits möchten wir trotzdem möglichst erschöpfend Auskunft geben. Hinzu kommt, dass uns die Wissenschaft in immer kürzeren Abständen Ergebnisse liefert, die bislang als unumstößlich geltende Grundsätze imkerlichen Wissens über den Haufen werfen.

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Waagstock

Bienenvolk, welches auf einer Waage steht und an dessen Gewichtsveränderung sich Aussagen über Winterfutterverbrauch (Gewichtsabnahme) und Trachtverlauf (Gewichtszunahme) ablesen lassen.

Wabe

auf Dauer unverzichtbarer Bestandteil eines Bienenvolkes; hängt immer senkrecht; besteht aus einer Mittelwand und sechseckigen Zellen, die von den Bienen nach beiden Seiten von der Mittelwand aus gebaut werden; Baumaterial ist das körpereigene Bienenwachs;

Wabenabstand

der natürliche Abstand von Mittelwand zu Mittelwand beträgt 35 - 38 mm, der Wabenabstand der Wabenflächen zueinander beträgt bei Brutwaben (Brutflächen) etwa 10 mm; bei Honigwaben (Honigkränzen auf Brutwaben) ist er häufig deutlich niedriger (ca. 5 mm)

Wabengasse

die Anzahl der besetzten Wabengassen wird zuweilen zur Bestimmung der Volksgröße herangezogen; sehr ungenau! besser: >Liebefelder Methode

Wabenhonig

Der in frisch ausgebaute Waben eingelagerte und verdeckelte Honig wird ausgeschnitten und mitsamt der Wabe angeboten.
>Scheibenhonig

Wabenmaß

>Rähmchenmaß, >Standmaß

Wabenstellung

Noch heute wird in Imkerkreisen viel darüber diskutiert, wie die Waben im Bienenvolk angeordnet sollen
>Kaltbau; >Warmbau

Wabenstetigkeit

Bezeichnung für das Verhalten der Bienen auf den Waben, wenn der Imker sie entnimmt; wabenstetig bedeutet: die Bienen bleiben ruhig auf der Wabe sitzen, rennen nicht herum und verlassen diese auch nicht, wenn die Wabe für einen Moment außerhalb der Beute abgestellt wird. ein Selektionskriterium bei der Zuchtauslese;
>Zuchtziel

Wachsdrüsen

hier wird das Bienenwachs von den Baubienen in Form kleiner weißer Plättchen ausgeschieden
>Bautraube

Wachsmotte

Große W. (Galleria mellonella) und kleine W. (achroea grisella);Schmetterling dessen Larven die Waben zerstören; >Rankmaden;
Vorratswaben müssen deshalb vor dem Mottenfraß geschützt werden; Hilfreich ist die kühle Lagerung. Zur Bekämpfung eignen sich neben mehrmaligem Schwefeln der Einsatz des Bacillus thuringiensis Präparats "B 401®" und, bei überschaubarem Wabenvorrat, das Tiefgefrieren der Waben.
Empfehlung: nicht mehr benötigte Waben einschmelzen!

Wachsverarbeitung

dazu zählen u. a. die Herstellung von Mittelwänden, Kerzen und Wachsmodels, aber auch die Verwendung von Bienenwachs in kosmetischen Produkten und Möbelpolituren

Waldbienenzucht

Vor allem im osteuropäischen Raum entwickelte sich neben der Hausbienenzucht, mit Bienen, die in Tongefäßen oder Körben gehalten wurden, die Waldbienenzucht oder Zeidlerei. Der Zeidler kletterte auf Bäume, um den Honig aus den hoch über dem Boden nistenden Bienenvölkern zu holen. Später schnitt man das Stück des Baumes, in dem sich das Bienenvolk befand aus dem Stamm oder höhlte auch extra ein Stück eines Baumstammes aus, um darin ein Bienenvolk unterzubringen. Die Klotzbeute war erfunden.

Waldhonig

Die Grundlage für den Waldhonig ist der von den an dem Bäumen saugenden Blatt- und Rindenläusen ausgeschiedene Honigtau. (Honigtauhonig) Waldhonig ist von dunkelbrauner bis grün-schwarzer Farbe, schmeckt angenehm würzig und bleibt auf Grund seines rel. hohen Fructoseanteils in der Regel länger flüssig als Blütenhonig.

Waldtracht

eine leider nicht regelmäßig auftretende Haupttracht >Waldhonig;
Durch eine gezielte Beobachtung der Honigtauerzeuger, ihrer Entwicklung, beginnend im Herbst des Vorjahres, über den Winter und das Frühjahr, ist es dahingehend geschulten Personen möglich, eine Trachtvorhersage zu machen;>Trachtprognose >Honigtau
Für den tatsächlichen Verlauf der Waldtracht ist aber auch die Wettersituation während der Waldtracht entscheidend

Wanderung

das Verstellen von Bienenvölkern oft über weite Distanzen zur Ausnutzung einer Tracht, die es am Heimstand nicht gibt
>Sortenhonig

Warmbau

Wabenstellung, bei der die Rähmchen quer zum Flugloch angeordnet sind; Gegensatz dazu >Kaltbau

Wasserholerin

Sammlerin, die Wasser aufnimmt und in den Bienenstock bringt und so für die Wasserversorgung im Bienenvolk sorgt
Vor allem im Frühjahr muss den Bienen in Standnähe ausreichend  Wasser zur Verfügung stehen. Notfalls richtet der Imker eine Tränke für seine Bienen ein.

Weisel

andere Bezeichnung für die Königin im Bienenvolk

Weisellosigkeit

Ein Bienenvolk befindet sich im Zustand der Weisellosigkeit, wenn es keine Königin besitzt. >Nachschaffung >Weiselprobe
"Hoffnungslos weisellose Völker" (Völker ohne Königin und ohne offene Brut) brauchen die Hilfe des Imkers, da sie sonst früher oder später eingehen

Weiselprobe

Dazu wird eine Wabe mit junger, offener Brut aus einem anderen Volk - ohne die ansitzenden Bienen natürlich - in das zu untersuchende Volk gehängt und nach ca. 3 -5 Tagen kontrolliert.  Hat sich die Brut auf der Wabe normal weiter entwickelt, so befindet sich eine Königin in dem Volk. Entdeckt man jedoch Nachschaffungszellen auf der Weiselprobe, so befindet sich keine Königin in dem Volk.

Weiselrichtigkeit

Der Imker erkennt die Weiselrichtigkeit, wenn er Brut in allen Stadien findet aber auch daran, dass das Volk ruhig ist und Sammeleifer zeigt.
Allein das Vorhandensein einer Weiselzelle bewirkt bei den Bienen ein ähnliches Verhalten wie bei der Weiselrichtigkeit;

Weiselunruhe

Verliert ein Bienenvolk seine Königin, wird das Volk unruhig, braust beim Öfnnen stark auf und Bienen laufen am Flugloch aufgeregt hin und her. Die Weiselunruhe hört aber bald auf, wenn sich im Volk noch offene Brut befindet und es sich deshalb eine Königin nachschaffen kann.
>Weisellosigkeit, >Weiselprobe, >Nachschaffung

Weiselzelle

andere Bezeichnung für Zellen, in denen Königinnen heranwachsen;
wir unterscheiden: offene, gedeckelte und schlupfreife Weiselzellen;
Entstehung: als >Schwarmzellen, >Nachschaffungszellen und Weiselzellen auf Grund einer >Stillen Umweiselung

Wespe

lat. Vespa; staatenbildende Insektenart;
Nützling, denn die Wespen ernähren ihre Brut mit Fleisch (gefangene Insekten, "Schädlinge")
Die immer wieder von Imkern geäußerte Behauptung, dass ihre Bienenvölker von Wespen ausgeraubt, ja sogar getötet worden seien, lassen nur den einen Schluss zu, dass die Völker sehr schwach waren und auch ohne "Wespenplage" den folgenden Winter kaum oder gar nicht überlebt hätten. Bei starken und intakten Bienenvölkern haben die Wespen, abgesehen von gelegentlichem Honignaschen keine Chance.

Wildbienen

> Solitärbienen

Windel

Bodeneinlage; dient der Gemülldiagnose und deren Entnahme im Frühjahr erspart dem Volk die Reinigung des Bodens
>Gitterboden

Winterbienen

die im August / September erbrüteten und im September / Oktober schlüpfenden Bienen; Sie werden im Gegensatz zur Sommerbiene mehrere Monate (170 bis 240 Tage) alt;  >Auffütterung

Winterfutter

Den Bienenvölkern wird bereits im August / September als Ersatz für den entnommenen Honig Zuckerwasser oder -teig gegeben, woraus die Bienen ihr Winterfutter bereiten (invertiert) und in der Beute ablagern; im Winter zehren sie davon;
>Fütterung; >Überwinterung

Wintergemüll

Alles, was vom Bienensitz im Winter abfällt, sammelt sich am Boden; durch rechtzeitiges Einbringen einer geeigneten Unterlage (Windel) lässt sich das Gemüll zur Zeit des Reinigungsfluges entnehmen. Dieser Handgriff des Imkers erspart nicht nur dem Bienenvolk die sonst notwendige Reinigung des Bodenbrettes, sondern es lassen sich anhand der darauf gemachten Beobachtungen auch Rückschlüsse z.B. auf den Gesundheitszustand, die Lage des Bienensitzes und die Futterversorgung ziehen.
>Windel, >Gitterboden

Wintertraube

im Herbst, wenn die Außentemperaturen unter ca. 14° C fallen, ziehen sich die Bienen anfangs nur in den Nächten, später auch tagsüber, zur Wintertraube (Winterkugel) zusammen; Im Innern der Traube - dort hält sich auch die Königin auf -  herrscht unabhängig von der Außentemperatur, die ja auf unter -20° C fallen kann, immer eine Temperatur von ca. +25 °C, mit Brutbeginn anfangs Februar steigt diese sogar auf ca. 35 - 36 °C. Damit die erzeugte Wärme nicht verloren geht, bilden die Bienen dazu im äußeren Bereich der Wintertraube als Isolierschicht einen mehrere Zentimeter starken, dichten  "Bienenpelz", in dem sie sich dicht aneinander ketten. Aber auch dort darf die Temperatur nie unter 7-8 °C sinken, weil sich sonst die Bienen, deren Körpertemperatur als wechselwarme Tiere von der Umgebungstemperatur abhängt, nicht mehr bewegen könnten und absterben würden. Dies erreichen sie dadurch, dass die Bienen im Außenbereich nach innen wechseln und im Rotationsverfahren andere dafür in den Außenbereich nachrücken. Wirklich eine einzigartige Überlebensstrategie!