Bienenlexikon

Liebe Imkerinnen und Imker, liebe informationssuchende Verbraucher, liebe wissbegierige Zeitgenossen,

Hier wird der Versuch unternommen, “imkerliche” Fachbegriffe rund um die Biene zu erklären und Kurzbiografien berühmter Imker, Wissenschaftler und Forscher auf dem Gebiet der Bienenzucht zu veröffentlichen.
Uns ist sehr wohl bewusst, dass dies nicht ganz leicht ist, denn einerseits sollen die Beiträge nicht zu umfangreich ausfallen, andererseits möchten wir trotzdem möglichst erschöpfend Auskunft geben. Hinzu kommt, dass uns die Wissenschaft in immer kürzeren Abständen Ergebnisse liefert, die bislang als unumstößlich geltende Grundsätze imkerlichen Wissens über den Haufen werfen.

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Abdomen

Wissenschaftliche Bezeichnung für den Hinterleib der Biene (aller Insekten). Caput, Thorax

Ableger

Kleinvolk, gebildet aus einer, meist jedoch mehreren Brutwaben (mit gedeckelter Brut) mit allen ansitzenden Bienen, weiteren Leerwaben und / oder Mittelwänden und einer begatteten Königin (Brutableger) oder einer unbegatteten Königin bzw. Weiselzelle (Begattungsableger). Wir unterscheiden: Brutableger, der mit einer begatteten Königin gebildet wird und Begattungsableger, der mit einer unbegatteten Königin oder gar nur einer Weiselzelle bestückt wird. Damit sich Ableger gut entwickeln, empfiehlt es sich, sie auf einen separat gelegenen Ablegerstand zu bringen und ständig zu füttern. Futtertasche Jungvolkbildung

Abschleudern

letzte Honigernte am Ende der Bienensaison (ausser in Spätrachtgebieten bereits Ende Juli); wird kombiniert mit dem Herrichten des Wintersitzes und dem sofortigen Beginn der Auffütterung; Empfohlen wird auch eine sofortige Varroabekämpfung (zu dem Zeitpunkt vorzugsweise mit Ameisensäure);

Absperrgitter

ein aus Drahtstäben, aus gestanztem Blech oder aus Kunststoff hergestelltes Gitter, welches mit einer lichten Weite von 4,2 mm nur den Arbeiterinnen, nicht jedoch den Drohnen und der Königin den Durchgang gestattet. Wichtiges Zubehör zur Trennung von Brut und Honig.

Abstandsregelung

Um den korrekten Abstand von Wabenmitte zu Wabenmitte (= 35 mm) einzuhalten, bedient sich der Imker verschiedener Abstandshalter bzw. Abstandsvorrichtungen. Im Gebrauch sind Abstandsstreifen (Abstandsrechen), Abstandsröllchen, -stifte und -bügel, die sog. Kreuzklemme (Zander) sowie die im oberen Teil auf 35 mm verbreiterten sog. Hoffmann-Seitenteil der Rähmchen.

Acarapidose

auch Acariose, Erkrankung der Biene hervorgerufen durch die in den Tracheen der Biene schmarotzenden Parasiten Acarapis woodi.

Acariose

auch Acarapidose, Erkrankungen durch Milben (Acari) werden Acariose genannt, im speziellen Fall der Biene hervorgerufen durch die in den Tracheen der Biene schmarotzenden Parasiten Acarapis woodi.

ad us. vet.

Abkürzung für "ad usum veterinarium"; wörtlich: "für tierärztlichen Gebrauch"; frei übersetzt: "als Tierarzneimittel zugelassen"; Für die 60%ige Ameisensäure ad us.vet. besteht in Deutschland seit 11.7.2000, für die 15%ige Milchsäure ad us.vet. seit 26.6.2003 und die  3,5%ige Oxalsäuredihydrat-Lösung ad us.vet.seit 26.10.2006 eine Standardzulassung.

Afrikanisierte Biene

Kreuzungsprodukt zwischen der in Südamerika (Brasilien) beheimateten Apis mellifera mellifera (ligustica, carnica) und der aus Afrika importierten Apis mellifera scutellata. Wegen ihrer ausgeprägten Verteidigungsbereitschaft (Aggressivität) bekam sie den Beinahmen "Killerbiene". Die Afrikanisierte Biene kann in unserem Klima nicht existieren.

Afterweisel

nach längerer Weisellosigkeit und damit fehlender Königinnensubstanz entwickeln sich die Eierstöcke einzelner Arbeiterinnen (dann Afterweisel genannt) und diese beginnen (unbesamte) Eier zu legen, aus denen später Drohnen schlüpfen (deswegen auch gelegentlich "Drohnenmütterchen" genannt); Ohne Hilfe des Imkers ist solch ein Volk hoffnungslos verloren. Buckelbrut

Ambrosius

katholischer Heiliger (7.12. Namensfest), lebte im 4. Jahrhundert , Bischof von Mailand, Schutzpatron der Imker

Ameisensäure

organische Säure; mit dem Zusatz "ad us. vet." ist die 60%ige AS. seit 11.7.2000 zur Bekämpfung der Varroose in Deutschland zugelassen (Standardzulassung);

Ammenbiene

meist junge Biene, die sich hauptsächlich um die Versorgung der Brut (Futtersafterzeugung) und die Temperaturregelung im Brutnestbereich kümmert.

Amöben

Einzeller, auch Wechseltierchen genannt. Rufen die Amöbenkrankheit (Malgighamöbiose), eine Erkrankung der erw. Biene hervor; Krankheitsbild ähnlich der Nosematose

Apidea-Verdunster

Aufnahmevorrichtung für ein Schwammtuch zur Langzeitbehandlung von Bienenvölkern gegen die Varoose

Apidea®-Kästchen

Mehrwabenbegattungskästchen zur Unterbringung der Königinnen während ihrer Paarungszeit auf einer Belegstelle. Nicht zu verwechseln mit dem Apidea-Verdunster.

Apimondia

Internationaler Verband der Bienenzüchtervereinigungen, Sitz ist Rom; veranstaltet im Abstand von zwei Jahren an wechselnden Orten den nach ihr benannten internationalen Bienenzüchterkongress, die APIMONDIA

Apis cerana

die östliche, oder auch indische (asiatische) Honigbiene; ursprünglicher Wirt des Parasiten Varroa destructor. Sie ist von Ihrem Putzverhalten und durch eine kürzere Verdeckelungsdauer der Arbeiterinnen her besser an den Varroa-Parasiten angepasst und lebt in einem ausgeglicheneren Verhältnis zu diesem, als die Westliche Honigbiene. Der Honigertrag ist geringer als bei der europäischen Biene.

Apis dorsata

wild lebende "Riesenhonigbiene" des tropischen Asiens, baut nur eine, frei hängende Wabe - meist an Felsen. Diese Bienenrasse kommt bis zu einer Höhe von 2000m vor. Diese Bienen sind 12,5 -14,5 mm groß und besitzen zwei bemerkenswerte Verhaltensweisen: Ist ein vermeintlicher Angreifer auf den Stock erst einmal markiert (mit Pheromonen) wird er durch nachfolgende Bienen über mehrer Kilometer verfolgt und attakiert. Außerdem wandern die diese Bienenvölker saisonal- und witterungsbedingt bis zu 200km im Radius.

Apis florea

Asiatische "Zwerghonigbiene". Sie ist nur 6,0-6,9 mm groß und besitzt nur einen kurzem Stachel, der die menschliche Haut nicht durchdringen kann. Sie lebt bis in 500 m Höhe, wurde jedoch auch schon saisonal bedingt in Höhen bis 1500 m gesehen. Legen ca. 10-20cm große Waben im Geäst an, deren oberes, abgeflachtes Ende als Platform für den Schwänzeltanz genutzt wird.

Apis mellifera

auch Apis mellifica; wissenschaftlicher Name unserer Honigbiene Es gibt etwa 25 Unterrassen, so z.B. Apis mellifera mellifera ("Dunkle Biene"); Apis mellifera carnica; Apis mellifera caucasica; Apis mellifera ligustica; Die Apis mellifera kommt von Afrika über Europa bis zum Kaukasus vor. Neben unsere bekannten Apis milfera carnica gibt es einige Unterrassen (Apis fMelifera-Rassen) mit besonderen Eigenschaften: Apis mellifera monticola: Dies Rasse kommt in Afrika in Höhen bis zu 3200 m vor. Apis mellifera capensis: Bei der Südafrikanische Biene, auch Kap-Biene genannt, können die Arbeiterinnen als einzige Bienenrasse im waisellosen Zustand (ohne Königin) auch weibliche Nachkommen nachziehen. Apis mellifera intermissa: Nordafrikanische Bienerasse, die während der Scharmzeit bis zu 200 Königinnenzellen in einem einzigen Volk produzieren kann. Bis zur Befruchtung der ersten Königin können mehrer Königinnen zusammen in einem Stock existieren. Bei dieser Rasse dauert es auch nur 4-5 Tage, bis Arbeiterinnen nach einer Waisellosigkeit zu Afterwaisel werden. Apis mellifera iberica: Hoher Schwarmtrieb, nervöses Verhalten bei Störungen, welches zur Ballenbildung um die Königin herum führen kann, ein sehr stechfreudigiges Verhalten und viel Produktion von Propolis zeichnen diese Rasse aus.

Apistan

in Deutschland nicht zugelassenes Tierarzneimittel zur Bekämpfung der Varroose, enthält als Wirkstoff das fettlösliche Fluvalinat, welches sich im Wachs anreichert

Apitherapie

Zweig der Naturheilkunde mit dem Einsatz von Medikamenten und Heilmitteln, die aus dem Bienenvolk gewonnen werden.
>Propolis, Bienengift, Bienenwachs, Honig, Pollen, Gelèe Royale

Applicator

"Apparatur" zur Verabreichung bzw. Anwendung eines Tierarzneimittels (Ameisensäure),

APV

Akuter-Paralyse-Virus; tritt in Folge der Varroose vermehrt in Bienenvölkern auf; Paralyse, auch Plegie ist eine vollständige Lämung der Muskeln bei Lebewesen. Dies ruft z.T. schwere Verluste an Bienenvölkern hervor.

Arbeiterbau

zur Aufzucht ihrer Brut und zum Einlagern ihrer Pollen- und Honigvorräte bauen die Bienen Waben aus Bienenwachs. Naturbau, d.h. ganz von den Bienen gebaute Waben enthalten meist eine Mischung aus Arbeiter- und Drohnenbau. Durch den Einsatz von Mittelwänden und eines Drohnenrahmens versucht der Imker, den Arbeiterbau und den Drohnenbau möglichst auf getrennten Waben anlegen zu lassen.
Der Durchmesser der sechseckigen Zellen für die Aufzucht von Arbeiterinnen beträgt ca. 5,4 mm, von Drohnen dagegen ca. 6,9 mm.

Arbeiterin

neben der Königin (Weibchen) und den Drohnen (Männchen) die dritte Kaste im Bienenstaat (Halbweibchen, nicht fortpflanzungsfähig) >Afterweisel;
Entwicklungszeit: 21 Tage (3 Tage Ei, 9 Tage Larve; 9 Tage Puppe);

Armbruster Ludwig, Prof.

Autor der Veröffentlcihung "Bienenzüchtungskunde - Versuch der Anwednung wissenschftlicher Vererbungslehren auf die Züchtung eines Nutztieres". (Veröffentlichung anlässlich eines Vortrages für einen Imkerlehrerkurs am Kaiser Willhelm institut für Biologie am 01.05.1918)
Diese Schrft war eine der Grundlagen, auf denen Bruder Adam seine Überlegungen zur Zucht der Buckfastbiene anstellte.  

Atemöffnungen

(Thoracalstigmen) jeweils 3 Atemöffnungen (Stigmen) befinden sich zu beiden Seiten der Brust; Daran schließt sich das Luftröhrensystem (Tracheen) an

Auffütterung

Wintereinfütterung; als Ersatz für den entnommenen Honig bekommen die Bienen Zuckerlösung oder -teig als Winterfutter. Die Auf- oder Einfütterung beginnt unmittelbar nach Trachtende (Honigentnahme) Ende Juli und sollte Ende August / Anfang September abgeschlossen sein, damit die Winterbienen nicht mehr mit der Umarbeitung des Winterfutters belastet werden.

Auswinterung

Bezeichnung für die Arbeiten am Bienenvolk zu Beginn des Frühjahrs; >Durchlenzung

Bacillus larvae

veraltete Bezeichnung für den Erreger der amerikanischen Faulbrut, aktuelle Bezeichnung: Paenibacillus larvae, >Brutkrankheit

Bacillus thuringiensis

Wirkstoff im biologischen Insektizid mit der Bezeichnung B401®; wirkt gegen alle Larvenstadien der Wachsmotte und ist vollkommen ungiftig für Menschen, Bienen und andere Nützlinge

Bannwabe

Eine Wabe mit offner Brut;
wird beim Einlogieren eines Schwarmes in den Kasten gehängt; bindet den Schwarm an die neue Behausung und verhindert recht sicher dessen erneuten Auszug;
wird auch zur Dezimierung der Varroamilben eingesetzt (Bannwaben- oder Fangwaben-Verfahren)

Basiszucht

Zuchtbestrebung, die im Gegensatz zur Reinzucht mit Reinpaarung auf Belegstellen darauf setzt, dass im Laufe der Jahre auch durch Standbegattung gute Zuchtergebnisse erzielt werden können (Verdrängungszucht)

Baurahmen

meist ein leeres (gedrahtetes) Rähmchen, mit oder ohne Anfangsstreifen, in welchem das Bienenvolk seinen natürlichen Bautrieb frei ausleben kann; Geschwindigkeit und Art des Wabenbaus im Baurahmen lassen für den geschulten Imker Rückschlüsse auf den Volkszustand (Schwarmstimmung, Tracht) zu. Baurahmen können auch durch das Ausschneiden der Drohnenbrut zur Varroa-Dezimierung herangezogen werden (Drohnenrahmen, Drohnenbrutentnahme) >Gravenhorst

Bautraube

Immer, wenn von den Bienen Waben gebaut werden, hängen sich die Baubienen zu Ketten aneinander und bilden gemeinsam die Bautraube, in der scheinbar regungslos die Baubienen dann das Bienenwachs "herausschwitzen".
>Wachsdrüse

Bautrieb

erwacht im Frühjahr in den Völkern; wird vom Imker zur Erneuerung des (alten) Wabenbaus bzw. zur Erweiterung der Völker genützt; Schwärme zeigen in der Regel einen starken Bautrieb

Bayvarol®

Varroazid wirkendes Tierarzneimittel; enthält als Wirkstoff Flumethrin, welches in der Tiermedizin äußerlich als Antiparasitikum eingesetzt wird. Es öffnet die Natriumkanäle der Nervenzellen und führt zu Übererregung und schließlich zum Tod der Parasiten.
Flumethrin ist fettlöslich und kann sich deshalb im Honig anreichern. Alternative: Ameisensäurebehandlung