Neophyten

Neophyten – verfolgte Gäste

1492 entdeckte Christoph Kolumbus Amerika – dieses Jahr wird willkürlich dazu benutzt um vor diesem Zeitpunkt nach Europa eingewanderte Pflanzen als Archäo-Phyten zu bezeichnen. Alle nach diesem Schlüsseljahr eingewanderten Pflanzen werden als Neo-Phyten bezeichnet.  Während Archäophyten zu den Einheimischen zählen, werden Neophyten überwacht und verfolgt – Refugien sind landwirtschafliche Anpflanzungen. Werden Neophyten noch als invasiv deklariert, sind sie vogelfrei. Zu diesen Vogelfreien gehört die Robinie, da ihre als Pioniergewächs eine schnelle Ausbreitung bescheinigt wurde. Es gibt aber zahlreiche Alleen der Robinia pseudo­acacia und Kulturen, die sich nicht unkontrolliert vermehren oder andere Arten oder Biotope gefährden. Die von Kowarik und Kausch  festgestellte Invasivität kann dort nicht beobachtet werden. Zudem werden laut BNatSchG und den entsprechenden Landesgesetzen Alleen und Pflanzen, die der Landeskultur zuzurechnen sind, geschützt.

Bei der Verbreitung von Robinien in Europa könnte man sie eigentlich schon als Einhei­misch bezeichnen. Auch der Anbau in Kulturen ist nicht verboten. Wie in einem großen Teil unserer Wälder wachsen Bäume schon seit langem unter unnatürlichen Bedingungen: Die Rede ist von Nadelbäumen, die rund 2/3 des derzeitigen Baumbestandes ausmachen und die es in Mitteleuropa bis auf wenige Ausnahmen früher nicht gab. Mit den Nadelbäumen wurde die Rote Waldameise importiert, die hierzulande geschützt wird. Bodenlebewesen und Mikroorganismen die die „sauren“ Nadeln zersetzen wurden leider oder zum Glück nicht eingeführt, so dass die Böden für Unterwuchs und Bodenleben mehr oder weniger unbrauchbar werden. Der einzige Nutzen ist eine schnelle Holzproduktion.

Die Robinie besiedelt als Pionier Kahlflächen, schützt damit den Boden und verbessert ihn auch noch durch die Speicherung von Stickstoff. Im Kurzumtrieb könnte sie sogar zur Holzgewinnung dienen. In einem intakten Ökosystem Wald mit dem in Mitteleuropa ursprünglichen Buchenwald hätten Robinien wegen des fehlenden Lichtes keine Überlebenschance und könnten schon deswegen nicht invasiv werden. Zu guter Letzt dienen Akazien als Bienenweide:

Die Robinie blüht nach der Obst- und Rapstracht als Über­brück­ung bis zur Sommerlinde. Das bringt nicht nur Honig, sondern wertvollen Pollen. Robinienhonig wird von Wissen­schaftlern als gut bekömmlich für Diabetiker im Rahmen des Ernährungsplanes bezeichnet. Zudem reduziert die Robi­ni­en­blüte die Schwarmneigung der Bienenvölker. Bienenwissenschaftler fordern eine gute Pollenversorgung im Spätsommer und Herbst für eine gute Überwinterung. Hier kommt ein weiterer Neophyt ins Spiel – Goldrute.  Goldrute könnte helfen Winterverluste zu minimieren, wenn man sie ließe.

Eine erhebliche Gefährdung der biologischen Vielfalt wurde für beide Arten in Deutschland bislang nicht gezeigt.